Mittwoch, 22. August 2007

Irkutsk -> Ulaanbaatar

20.08 bis 22.08
Es wurde etwas internationaler auf der Streck Russland -> Mongolei

Vor allem erstmal vielen Dank fuer die angebotene Hilfe in den Kommentaren. Nachdem ich, emotional benommen, meinen Platz im Zug eingenommen habe bin ich im Zugwaggon auf die gleiche Hilfsbereitschaft in der "Traveller-Community" gestossen. Sunil - der in den USA lebende Inder, Fabiano - der deutschssprechende Brasilianer, Christian - der Italiener und Jordi der Spanier, sie alle boten mir an, mir ggf. Geld vorzustrecken. Nach dem Schock vor dem Einsteigen, tat es ganz besonders gut, von diesen Menschen umgeben zu sein.

Die Herkunft der Passagiere hat sich stark geaendert. Waehrend ich auf der Strecke von Moskau nach Irkutsk das Gefuehl hatte, der einzige nicht-Russe zu sein, waren jetzt auf der Strecke von Irkutsk nach Ulanbaatar die Traveller in der Mehrzahl. Meine Abteil-Kollegen waren jetzt ein Brasilianer und ein junges Paar aus Oesterreich. Weil der Brasilianer perfekt deutsch sprach, wurde sogar auf deutsch kommuniziert. Aber natuerlich waren im Waggon auch Mongolen und Russen anzutreffen.

Der Inhalt der Gespraeche auf den Fluren war natuerlich meistens von Reisegeschichten gepraegt. Die einen reisen lediglich 3 Wochen und die anderen haben noch gar kein konkretes Ende in Sicht. Und wenn die Kameraden von anderen Laendern schwaermen, dann faellt es nicht schwer, naechste Ziele auf seine persoenliche Reiseliste zu setzen.

Am Mittag des naechsten Tages erreichten wir dann die russische Grenze. Ausser, dass Waggons an- und abgehaengt wurden, und die Lok hin- und her rangierte, passierte erst mal 3 Stunden lang nichts. Schliesslisch wurden wir in die Waggons gebeten, und kurz darauf erschienen die russischen Zollbeamten und sammelten unsere Paesse ein.

Die Reisekollegen und ich hatten darauf spekuliert, dass ich vielleicht in einem russischen Arbeitslager enden werde. Ich hatte naemlich festgestellt, dass meine Einreisebestaetigung und meine Registrierung (musste ich in St. Petersburg machen und kostete mich ca. 25 Euro. Einzuordnen als altsovjetische Schikane bzw. Bewegungskontrolle. Bewirkt unter Travellern eine grosse Ungewissheit, wie und ob es ueberhaupt wichtig ist) ebenfalls im Portmonee und somit nicht mehr da waren. Ich haette noch nicht mal eine Geldstrafe zahlen koennen, weil ich schliesslich nichts hatte. Dementsprechend war ich sehr ueberrascht, als mir der Zollbeamte kommentarlos meinen Pass zurueckgab.

Danach marschierten die Zollbeamten den Waggon-Flur auf und ab, klopften paar Abdeckungen ab, schauten in Ablagen und checkten stichprobenartig - vor allem bei Russen und Mongolen - das Gepaeck. Dabei habe ich beobachtet, dass die Jungs und Maedels von der Grenze ihre funktionale Macht zelebrieren. Und vor allem sind die Prozeduren eine bierernste und ausgedehnte Angelenheit, bei der sehr sehr ernste Mienen aufgesetzt werden. Wir haetten ja fast gezittert bei diesem Kasperle-Theater :-)

Und das war erst Teil Eins. Die mongolische Grenze hatten wir noch vor uns. Also das ganze Prozedere noch mal, allerdings ein Tick freundlicher als bei den Russen. Alle bekamen ihre Paesse zurueck. Ausser die beiden Spanier und ich. Mein Reisepass sei "zu verschlissen" und ich muesse eine Strafe von 40 USD zahlen. Da es aber schwierig ist, einem blanken Mann in die Taschen zu greifen und ich von meinem geklauten Portmonee erzaehlte, setzte die Dame schliesslich etwas missmutig den Stempel in meinen Pass. Die Spanier mussten den Zug verlassen, da sie versehentlich 4 Tage vor Gueltigkeit des Visas einreisen wollten. Nach langem hin- und her, Telefonaten und Verhandlung durften die beiden fuer eine 40 USD Geldstrafe wieder in den Waggon, begleitet von einem "Welcome back" aller Passagiere.

Das die Spanier wieder zurueckkamen, war auch fuer mich von Vorteil. Ich hatte mich naemlich bereits vorher mit Ihnen und dem Italiener auf einen gemeinsamen Trip in der Mongolei geeinigt. Ausserdem wollte ich auf Jordi's Angebot zurueckgreifen, mir Geld vorzustrecken.

Nach insgesamt 11 Stunden an den Grenzen ging es endlich weiter. Und die Landschaft aenderte sich fast schlagartig. Die sehr eingeengte Sicht auf die russische Taiga verwandelte sich in die bergige Weiten der mongolischen Steppe. Nach einer geselligen und gemuetlichen Runde im Abteil, ging es in die zweite Nacht.

Am naechsten Morgen um 7 Uhr Ortszeit erreichten wir dann Ulaanbaatar, die Hauptstadt der Mongolei.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo mein lieber Erich,

zurück von meiner fast vergleichbaren Dubaiwoche 5* ;-) lese ich voller Begeisterung Deine bisherige Reisebeschreibung. Du bist einfach verrückt aber gerade das macht Dich ja auch so besonders. Muss immer wieder an unsere vergleichbar unspektakulären Reiseerlebnisse wie zB Kappstadt in der abgefahrenen Disco und die volldrunkene Wanderung auf den Tafelberg denken.
Ja schääh wars.
Zu Deiner Diebstahlsache kann ich nur sagen, schade dass solche Vorfälle einen so schönen Tripp begleiten und dadurch Freude genommen wird, aber das Leben geht weiter. Solltest Du in Not kommen wende Dich gerne an mich "nail_2000@gmx.de" Was ich von hier tun kann mache ich für Dich, versprochen.

Hau rein und erschrecke die Asiaten nicht so mit Deiner Größe... Dein Exkollege aber Immerfreund Markus

Anonym hat gesagt…

Hey Erich alter Hase und Nr. 2 im Squash!;-)

habe jetzt gerade deine ganzen Erlebnisse dieses Monats durchgelesen und muss sagen es ist echt abgefahren. Einerseits denke ich all die Leute die Du auf Deiner Reise kennenlernst sind ziemlich hilfsbereit und nett aber dann wirst du plötzlich Deiner Brieftasche beraubt..ist natürlich schon nervig. wie schlägst Du Dich nun durch? Hast Du noch irgendwie oder irgendwo notfallsgeld? Wie gehts dir sonst so?

Anyway, falls du Hilfe brauchst kannst Dich auch bei mir melden..also,machs gut und bis bald!
Cheers Danny

Anonym hat gesagt…

Hallo Brüderchen,

es ist schon faszinierend, wie groß Du doch schon geworden bist und Dich jetzt an allen Enden der Erde durchschlägst. Deine Berichte sind wirklich sehr interessant und ich bin schon sehr gespannt, wie Du Dich jetzt auch noch ohne Geld durchschlägst .... Toll, dass Du Dich aber durch so einen "Zwischenfall" nicht runterkriegen lässt ...

Für alle Fälle kennst Du ja viele Anlaufstellen in Pfungstadt, die Dir auch gerne aushelfen ...

Ansonsten begleitet Dich ja auch Dein bester Freund und viele Gebete ...

Genieße weiter jeden Tag!

Natalie