Tiananmen Square, Platz des himmlischen Friedens in Peking
Mittlerweile habe ich es nach China geschafft. Ins Reich der Mitte, ins wahre China. Obwohl man hier einer anderen Welt begegnet, muss ich sagen, dass es mich weniger überrascht hat, als erwartet, was vermutlich an den vorherigen Konfrontationen mit asiatischen Ländern liegt. Als erstes ist mir in Peking die schlechte Sicht, sprich der Smog in der Stadt aufgefallen, was sich in den meisten darauf folgenden Städten wiederholte. Es ist irgendwie etwas bedrückend, die Sonne und die Aussicht wie durch einen Filter wahrzunehmen. Die Skyline, der Park und der Sommer-Palast verlieren dadurch an Attraktivität.
Das Hostel, in welches ich mit den beiden Spaniern eincheckte, lag lediglich 10 Geh-Minuten vom Platz-des-himmlischen-Friedens entfernt. Aber auch die Strasse vor der Tür, war schon eine Attraktion für sich. Eine Einbahnstrasse, auf der Autos eher die Ausnahme sind, aber dafür Fahrräder in unterschiedlichsten Groessen und Format und mit vielfältiger Fracht. Die Fahrräder müssen sich durch die Fußgänger-Massen kämpfen und jeder ist dementsprechend am klingeln. Nicht selten haben die Fahrräder elektrische Klingeln mit den schrillsten Geräuschen. Natürlich hat es jeder eilig und jeder ist sich selbst der nächste beim erkämpfen eines jeden Zentimeters. Kleine Shops, Restaurants und Garküchen sowie die Dämpfe und Düfte aus den vielen Töpfen und Pfannen und bilden die Kulisse in dieser Szene.
Neben vielen Spaziergängen über den Platz-des- himmlischen-Friedens und Shopping-Malls, habe ich mir die Verbotene Stadt, den Sommer-Palast und die Chinesische Mauer angeschaut. Die vielen Wolkenkratzer und klotzigen modernen Gebäude sind wirklich beeindruckend und lassen ein Berlin, in dem der Potsdamer Platz der ganze Stolz moderner Architektur ist, ganz schön blass aussehen. Die Verbotene Stadt war einen Ausflug wert, allerdings bin ich nicht geschichtsinteressiert genug, als dass ich mich auf die Geschichten und Zeremonien der vielen Kaiser in sämtlichen Gebäuden eingelassen hätten. Das gleiche wiederholte sich dann im Sommer-Palast, der, aufgrund des Sees, etwas weitläufiger angelegt war, aber aufgrund des Smogs nicht wirklich schön wirkte. Das Hostel bot einen Tages-Ausflug zur Secret-Wall an, eine Alternative zu den offiziellen und überlaufenen Stellen der Chinesischen Mauer. Nach zwei Stunden Busfahrt waren wir fast da. Ein betagter Mann führte uns - eine Horde Backpacker - über anspruchsvolle Höhen und Wege zur stark eingefallenen Mauer, auf der wir auch noch fast zwei Stunden unterwegs waren, bevor es wieder ins Tal ging.
Und dann gab es noch einen ganz besonderen Tag in Peking. Der Tag, an dem ich per UPS meine Ersatz-Kreditkarte erhalten habe. Nach viel telefonieren, bangen und hoffen bin ich wieder liquide und kann das Reisen unbeschwert fortsetzen.
Ich wäre gerne länger in Peking geblieben, aber mein Zeitplan ließ nicht mehr zu. Also war es an der Zeit, dem netten Hostel und meinen temporären Reisepartnern - den beiden Spaniern und dem Italiener - tschüss zu sagen. Als ich abends am Hauptbahnhof ankam, um mit dem Nachtzug nach Shanghai zu fahren, war ich überrascht davon, wie überfüllt es davor war. Würden nicht bereits vor dem Eingang Ticketkontrollen durchgeführt werden, so würde drinnen wahrscheinlich gar nichts mehr gehen. Aber nachdem ich die Massen draußen überwunden hatte, konnte ich in Ruhe mein Bahnsteig und meinen Zug aufsuchen.
C h i n a A l l g e m e i n
Hinsichtlich der Gesellschaftsordnung wird in den westlichen Medien oft darüber diskutiert, ob in China nun der Kapitalismus oder der Kommunismus herrscht, oder beides. Meine Beobachtungen aus dem Alltag ergeben ein anderes Urteil. In China herrscht Anarchie. Ich habe den Eindruck, jeder macht hier was er will. Rauchen-Verboten-Schilder im Zug interessieren keinen. Rote Ampeln werden ignoriert, es sei denn, ein Polizist mit einer Pfeife im Mund nötigt die Autofahrer zum Halt. Im Internet-Cafe wird die Kippe auf den Boden geworfen und auf den Boden gespuckt. Im Restaurant wird Müll einfach fallen gelassen. Wenn ich in einer Schlange einen Höflichkeits-Abstand zum nächsten lasse und kurz nicht aufpasse, drängelt sich Ratz-Fatz einer vor. Aber anstatt im völligen Chaos zu versinken, funktioniert dieses Land trotzdem. Irgendwie furchtbar, aber gleichzeitig auch beeindruckend.
3 Kommentare:
Hi Erich!
Die drängelnden und rücksichtslosen Chinesen kenne ich nur zu gut aus meine Fliegerzeiten... So sind die, echt peinlich!!!
Gruß
Mimi
Hi Erich,
herzlichen Glückwunsch von Deinem WDL - Knofi - Bruder! Jetzt hast Du es geschafft! Auf einmal war Dein Blog auf meinem Google - Desktop - Nachrichtenticker, ganz ohne mein Zutun, neben FAZ.net + focus.net! Genial! Eine gesegnete Weiterreise wünscht
www.juergen-schulig.de
PS: Pass auf Deine Kreditkarte auf!
ein freund von mir, der ein paar wochen in shanghai war, hat da glatt seine interesse an china verloren, weil er es so schmutzig und unangenehm fand!! aber schön, dass du die berühmtesten sehenswürdigkeiten sehen konntest
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